Die Entstehung der hämorrhagischen Herde vollzieht sich nicht auf einmal, dauert vielmehr, soweit die Patienten nicht früher zu Grunde gehen, in der Regel 9—12 Tage. Zuweilen kommen aber schon vom dritten Tage an keine neuen Herde mehr zur Ausbildung. Im Verlauf von katarrhalischen Krankheiten finden sich sehr oft nur erbsengrosse Petechien in der Nasenschleimhaut, die nach einigen Tagen durch Resorption wieder verschwinden, ohne eine erhebliche Störung zu bewirken. Bei einzelnen Pferden sistirt die Entstehung frischer Herde vorübergehend einige oder mehrere Tage hindurch. Die Erklärung dieses Verhaltens der Krankheit ist in der Beschaffenheit der primären Localaffectionen zu suchen. Wenn in den letzteren die specifische virulente Substanz nicht mehr producirt wird, oder wenn das Virus nicht mehr zur Resorption gelangt, so können frische hämorrhagische Herde nicht mehr entstehen. Erfolgt aber nach einer momentanen Unterbrechung die Verunreinigung des Blutes von Neuem, so wiederholt sich die Neubildung von Herden.
Das weitere Verhalten der Blutflecke gestaltet sich nicht in allen Organen gleich. Kleine in der Substanz der Haut oder der Subcutis liegende Herde verschwinden in wenigen Tagen durch Resorption. Umfangreiche Schwellungen können durch den stärkeren Druck überall zum Absterben der Haut führen. Besonders ist aber die Haut an denjenigen Partien gefährdet, an welchen die Subcutis eine straffe Einrichtung besitzt. Ebenso bedingen erhebliche Geschwülste an den Gelenken in Folge der bei der Bewegung unvermeidlichen Verschiebungen und Frictionen der Haut oft ulceröse Processe. Insbesondere verursachen die blutigen Schwellungen an den Lippen und im Gesicht, an der hinteren Fläche des Fesselbeins, in der Gegend des Köthenzopfes, in der Sprunggelenkbeuge und an der hinteren Fläche der Vorderfusswurzel sehr leicht eine starke Spannung, so dass gelblich klares oder röthliches Serum durch die Haut sickert. Hierbei mortificirt die Haut immer in kleinem oder grösserem Umfange zuweilen an mehreren erbsen- bis wallnussgrossen Stellen. Mit den Substanzverlusten verknüpft sich die Etablirung ulceröser Zustände, die oft nur sehr schwer und erst nach mehreren Wochen abheilen, in vielen Fällen aber eine ichorrhämischelntoxication mit tödtlichem'Verlaufe unterhalten.
Kleine Blutflecke (Petechien oder Tupfen) in der Nasenschleimhaut bilden sich stets durch Resorption wieder zurück. Grössere Infiltrationen und Unterlaufungen bedingen starke Schwellungszustände, so dass die Nasencavitäten eine erhebliche Verengerung erleiden. Das Blutserum sickert durch die Schleimhaut und fliesst aus der Nase ab. Nicht selten wird die infiltrirte Nasenschleimhaut an einzelnen Stellen durchbrochen. Dann ergiesst sich flüssiges Blut aus der Nase. In derselben Weise kann auch die Rachenschleimhaut in kleinen Partien zerstört werden.
Im Magen und Darm sind die nächsten Wirkungen der Herde ganz ähnlich. Kleine Infarcte, welche den Umfang einer Wallnuss nicht überragen, oder wenn sie etwas grösser sind, eine flache Gestalt behalten, verlieren sich oft in 5 — 8 Tagen durch Resorption. Zuweilen kommt aber in Folge des Druckes eine Sprengung der Schleimhaut zu Stande, so dass Blut in das Lumen des Darms gelangt und an den defecten Stellen eine Ulceration entsteht. Wenn die Defecte den Umfang einer Hasel-nuss nicht überschreiten, so heilen sie nicht selten durch Vernarbung. Grössere Substanzverluste bedingen eine tödtliche Darmentzündung. Die gleichmässige blutige Unterlaufung eines ausgedehnten Abschnittes der Darmwand habe ich nur in vereinzelten Fällen bei der Section gefunden. Zweimal constatirte ich, dass ein kleiner Herd im Dünndarm zur Nekrose des peritonealen Ueberzugs und zur Vorklebung mit einer benachbarten Darmschlinge geführt hatte. Siedamgrotzky fand einmal eine vollständige Perforation im Duodenum mit Austritt von Futterbrei in die Bauchhöhle. — Mitunter dringt gelbliches Blutserum in das Darmlumen, so dass die Schleimhaut in grosser Ausdehnung sich mit demselben durchtränkt.
In den Lungen, in der Milz, in der Nierenkapsel und auch an anderen Organen verursachen die hämorrhagischen Herde zuweilen eine starke Spannung, so dass eine erhebliche, selbst tödtliche Blutung entstehen kann.
Aus vorstehender Betrachtung ergiebt sich, dass die Ansicht Roll's von der Milzbrandnatur des Morbus maculosus hinfällig ist. Die fieberhafte Gesammtaffection wird nur durch die Resorption der Entzündungsproducte aus den localen Erkrankungsherden vermittelt. Kommt es zu erheblichen brandigen Zerstörungen in den hämorrhagischen Herden der Haut oder des Respirationstractus, so erlangt die Gesammt-störung den Charakter der Ichorrhämie. Schmerzhaft sind für die Patienten die diffusen phlegmonösen Processe der Subcutis und des Rachens, besonders aber die parenchymatöse Muskelentzündung, welche mit der Etablirung hämorrhagischer Herde eingeleitet wird.
Symptome.
Unwesentlich ist für die Ausbildung der Symptome, dass die Blutfleckenkrankheit oft im Verlaufe der S. 414 bezeichneten Vorkrankheiten und zuweilen entsteht, ohne dass sich präexistente Krankheitsherde nachweisen lassen. Zu den Krankheitserscheinungen gehören:
1) Blutflecke in den Kopfschleimhäuten. Die Nasenschleimhaut bedeckt sich mit hanfkorn- bis erbsen- und bohnengrossen blutigen Herden (Petechien, Tupfen). Oft bilden sich an der Scheidewand und an den Muscheln lange streifen- und flächenförmige Suffusionen, durch