Verlauf nnd Ausgang. In einem concreten Krankheitsfalle unterliegen fast niemals alle Organe, welche eine generelle Empfänglichkeit für die Affection besitzen, der Etablirung von blutigen Herden. Schon hierdurch ergeben sich manche Differenzen im Krankheitsverlaufe. Aber auch dem Grade nach gestaltet sich der Morbus maculosus sehr ungleich. — Bei der Druse und anderen katarrhalischen Zuständen im Respirationstractus bedeckt sich zuweilen die Nasenschleimhaut in den unteren Abschnitten mit zahlreichen Petechien, die sich nach wenigen Tagen von selbst wieder zurückbilden. Diese Affection, die oft so unerheblich ist, dass sie kaum einer Constatirung werth erscheint, muss als ein minimaler Grad der Blutfleckenkrankheit angesehen werden. Woher es kommt, dass in derartigen Fällen nur eine sehr geringe Quantität des Virus, welches der Pathogenese zu Grunde liegt, entsteht, ist durch thatsächliche Feststellungen bisher nicht aufgeklärt worden. — Es giebt ferner Krankheitsfälle, bei welchen die Blutflecke in der Haut und in der Nase nur eine geringe Zahl und einen massigen Umfang erreichen, so dass nach 3—5 Tagen schon die Rückbildung derselben beginnt und die Patienten verhältnissmässig leich't über die Gefahren der Krankheit hinweg geholfen werden können.
Nur in einzelnen Fällen entsteht im Beginn eine schwere Erkrankung der Magen-Darmschleimhaut, welche sich durch heftige Kolik, schnellen Verfall der Kräfte, starke Pulsfrequenz, hohe Fiebertemperatur, Beschleunigung der Respiration, venöse Färbung der Schleimhäute und allgemeinen Schweissausbruch kennzeichnet und am 2.—3. Krankheitstage zum Tode führt. Gewöhnlich bilden sich die Petechien zuerst in der Nasenschleimhaut, zuweilen gleichzeitig in der Oonjunctiva und im Maul. Dann folgt am 2.-4. Krankheitstage die Etablirung der Blutflecke in der Haut. Oft treten aber die Schwellungen in der Haut und in der Subcutis, namentlich an den Hinterschenkeln zuerst hervor, worauf sich einen odereinige Tage später die Petechien bildung in der Nase bemerklich macht. In der Rachenschleimhaut entstehen blutige und entzündliche Herde selten schon am 2., meist erst am 4.—8. Tage und zuweilen noch später. — Die Erkrankung der Haut erhält sich oft mehrere Tage hindurch in massigem Grade und Umfange, bevor die Herdbildung in den inneren Organen erfolgt. Sie beginnt oft an den Gliedmassen mit der Etablirung diffuser Schwellungen oder mit multipler Bildung von Blutbeulen. Solche Patienten bekunden 2 — 3 Tage hindurch neben den nicht besonders charakteristischen flachen Schwellungszuständen der Haut massiges Fieber, leichte Pulsfrequenz, Appetitmangel, verzögerte Defäcation und trockenes Maul. Demnächst zeigen sich Petechien an anderen Regionen der Haut und in der Nase. — Häufig entstehen aber zuerst die Blutflecke in der Haut des Kopfes, seltener vor der Brust, auf den Rippen oder am Halse.
Wenn die inneren Organe nicht erkranken oder nur unerheblich von der Etablirung blutiger Herde betroffen werden, so dauert die Bildung frischer Geschwülste in der Haut gewöhnlich 9—12 Tage, so dass nach dieser Zeit ein günstiger Ablauf der Krankheit in Aussicht genommen werden kann.
Ungünstig gestaltet sich der Verlauf in der Regel, wenn sich eine starke Schwellung der Haut an beiden Seiten des Kopfes ausbildet und die Nasenhöhlen durch die hämorrhagische Schwellung der Schleimhaut so erheblich verengert werden, dass die Respiration nur mühsam erzwungen werden kann. Erhebliche Gefahren bringt auch die Schwellung der Rachenschleimhaut mit sich, selbst wenn dieselbe frühzeitig genug erkannt und zweckmässig behandelt wird. — Tödtlich enden in der Regel die Krankheitsfälle mit anhaltender Tendenz zur Bildung von blutigen Herden in der Muskulatur oder in der Darmschleimhaut, wobei sich der Verlauf oft auf 2—3 Wochen ausdehnt.
Nach dem Charakter der Vorkrankheiten (acuter Rotz, Druse, Abs-cesse in den Lungen und anderen Organen, eiterig-jauchige Entzündungs-zustände in der Haut etc.) können mancherlei Modificationen im Verlaufe des Morbus maculosus vorkommen. Wenn die bezeichneten Vorkrankheiten schon mit einer erheblichen Störung der Gesundheit verbunden oder an sich unheilbar sind (Rotz, Lungenabscesse etc.), so gestaltet sich der Verlauf stets ungünstig und zuweilen sehr stürmisch, so dass die Pferde unter den schwersten Zufällen innerhalb weniger Tage zu Grunde gehen. Bei dem Bestehen primärer Abscesse in den inneren-Organen verzögert sich der Krankheitsverlauf oft auf 15 Tage und darüber. Dabei markirt sich die nachtheilige Rückwirkung der localen Herde auf das Gesammtbefinden der Patienten an einzelnen Tagen stärker, als an anderen.
Zur unmittelbaren Genesung gelangt die Blutfleckenkrankheit nur dann, wenn sich die Herde auf die Nase und die äussere Haut beschränken und wenn die Bildung derselben blos 3—5 Tage dauert. In solchen Fällen, die aber nicht häufig beobachtet werden, vollzieht sich die Rückbildung mitunter ohne therapeutisches Zuthun.
Direct tödtlich wird die Krankheit zuweilen durch Verblutung. Namentlich führen grössere Herde in den Lungen, in der Milz und den Nierenkapseln leicht zur Berstung des betreffenden Organs und zu tödt-lichem Blutverlust. Bei diesem Ausgange finden sich neben den anderen Erscheinungen: Erblassung der Schleimhäute, frequenter, harter und schliesslich fadenförmiger Puls, später Unvermögen zu stehen und soweit die blutigen Herde der Lungen in die Bronchien sich ergiessen, die Symptome einer schweren Lungenblutung. — Wenn sich der Krankheitsverlauf auf 14 Tage und darüber verzögert, so macht sich auch ein erheblicher Blutverlust in dem Symptomenbilde bemerklich, obschon der letale Ausgang der gedachten Fälle in anderen Complicationen (Ichor-rhaemie) seinen Grund findet.
Weit häufiger, als die directe Genesung und der schnelle Verblutungstod vorkommen, entstehen im Verlaufe des Morbus maculosus Complicationen und Folgekrankheiten, von welchen die nachstehend benannten als die wichtigsten hervorzuheben sind.
1) Mortification der Haut an den endermatischen und hypodermatischen Herden. An den Lippen, im Gesicht und an den Gliedmassen, weniger oft an anderen Regionen veranlassen die Blutbeulen im Verlaufe von 4 — 8 Tagen sehr leicht eine Ertödtung der Haut. Kleine endermatische Herde bedingen eine Nekrose der Haut nur in den äusseren Schichten. Durch die grösseren hypodermatischen Herde ge-räth die Haut oft in eine so starke Spannung, dass die Berstung derselben erfolgt und ulceröse Zustände in der Subcutis herbeigeführt werden. Diese Gomplication bekundet sich gewöhnlich dadurch, dass an den Geschwülsten (in der Region des Fesseis, an den Sprunggelenken und anderen Partien) gelbliches oder röthliches Blutserum tropfenweise die Haut durchsickert. In den nächsten Tagen entstehen Defecte in der Haut, die leicht bluten und sich erst relativ spät mit guter Granulation ausfüllen. Zuweilen stossen sich an den Gliedmassen handtellergrosse Partien der Haut ab. Die mit solchen kleineren und grösseren Substanzverlusten verbundenen schmerzhaften Entzündungsprocesse sind nicht selten so erheblich, dass sich die Thiere nicht stehend erhalten könnenund schon deshalb dem Tode verfallen. Bei relativ günstigem Verlaufe erfordert die Ausheilung der Defecte an den Gliedmassen 2—3 Monate und sehr oft bleiben unförmige Narben zurück, welche die Pferde in hohem Grade entwerthen. Starke Narbenbildung in der Köthe bedingt eine steile Stellung des Fesseis, welche später zur Entwickelung der Schale Veranlassung geben kann. — Weniger gefährlich ist die Hautnekrose an den Blutflecken des Kopfes und des Thorax.
Decubitus. Den an der Blutfleckenkrankheit leidenden Pferden wird das anhaltende Stehen beschwerlich. Nach dem Niederlegen sind sie oft nicht fähig, sich wieder zu erheben. Dann entsteht in der Haut an den Schläfen, oder am Halse, an den Schultern, am Ellenbogen, am Brustbein, auch am äusseren Darmbeinwinkel und am Unterschenkel, besonders aber an den geschwollenen oder mit Einschnitten behandelten Hautstellen durch Aufliegen (Druck) eine Gewebszerstörung, welche zu eiterig-jauchigen Herden in der Subcutis und in der Muskulatur der Nachbarschaft Veranlassung geben kann. Bei solchen Patienten ist der Tod gewöhnlich unabwendbar. Starker Kräfteverfall, hohe Pulsfrequenz und Verkleinerung der subcutanen Schwellungen in Folge der Ichorrhämie. — Selbst in den geringeren Graden erfordern die durch Aufliegen entstandenen Brandherde der Haut eine energische Behandlung mit Des-infectionsmitteln, wenn dem tödtlichen Ausgange vorgebeugt werden soll.