Brandige Zerstörungen in der Schleimhaut der Nase und des Rachens. Im Verlaufe des acuten Rotz (S. 165) öder der,. Druse (S. 370) führt die als Complication sich entwickelnde Blutflecken­krankheit mitunter zum Bersten der Schleimhaut in der Nase oder im Rachen und zu gangränösen Zerstörungen. Aber auch bei der Entstehung der Krankheit aus anderen Ursachen kann die starke Infiltration der Schleimhaut diesen Ausgang nehmen. Die Fälle, welche in den Hand­büchern der speciellen Veterinär-Pathologie unter dem Namen der „Kopfrose" oder „Kopfkrankheit" des Pferdes berücksichtigt sind, beziehen sich zum grössten Theil auf den hier gedachten Verlauf der Blutflecken­krankheit. Brandige Zerstörungen in der Nasen- und Raehenschleimhaut sind anzunehmen, wenn der Kopf umfangreich geschwollen ist, das Athmen unter schniebenden Nasalgeräuschen erfolgt, dunkles Blut aus der Nase abfliesst, schweres Fieber mit erheblicher Pulsfrequenz besteht und ein übler Geruch mit der Exspirationsluft verbreitet wird. Die ge­dachten Krankheitsfälle enden stets und schon nach wenigen Tagen tödt-lich. Zuweilen entsteht vor dem Tode noch eine jauchige Broncho­pneumonie.

Schwere Pharyngitis und Laryngitis. Die mit der Entstehang blutiger Herde in der Rachenschleimhaut eingeleitete Phlegmone ist eine häufige und wichtige Complication des Morbus maculosus. Das significante Merkmal derselben liegt in der dyspnoischen, mit lautem Kehlkopfsgeräusch erfolgenden Respiration. Daneben bestehen: Schluck­beschwerde, Abfluss von Speichel aus dem Maul und die allgemeinen Symptome der Krankheit. — In den höheren Graden kann der Tod durch Erstickung herbeigeführt werden, wenn nicht die Tracheotomie zeitig genug vorgenommen war. Andererseits verursacht der phlegmonöse Zustand eine Lähmung der sensiblen Nerven des Kehlkopfes, welche sehr leicht zur Ausbildung einer consecutiven brandigen Pneumonie Veranlassung giebt, weil die Patienten von dem Eindringen flüssiger Substanzen in den Kehlkopf keine Empfindung erhalten. Die leichteren Grade der submucösen Infiltration der Pharynx- und Larynxschleimhaut bilden sich bei rechtzeitiger Ausführung der Tracheotomie wieder zurück, so dass die betreffenden Pferde vollständig genesen.

Fibrinöse Pneumonie. Aehnlich wie sich an die Etablirung der subcutanen Herde eine Phlegmone der Nachbarschaft anschliesst, kommt zuweilen mit der Etablirung der Blutgeschwülste in den Lungen eine entzündliche Infiltration des interlobulären Gewebes und des respi­ratorischen Parenchyms mit Füllung der Alveolen zur Ausbildung. Bei entsprechendem Umfange der Hepatisation giebt sich der Zustand durch das Resultat der Auscultation und Percussion zu erkennen. Die übrigen Symptome sind wenig bezeichnend. Werden beide Lungen afficirt, so erschwert sich der Krankheitsverlauf erheblich und die betreffenden Pferde gehen in der Regel unter dem Einflüsse der diffusen Lungeninfiltration zu Grunde. Eine monolaterale Pneumonie der gedachten Art stört da­gegen bei massigem Umfange den Verlauf der Blutfleckenkrankheit nicht in hohem Grade.

Fremdkörper- oder Schluckpneumonie. Die häufigste Bedingung des tödtlichen Verlaufs der Krankheit. Durch die nasale oder laryngeale Dyspnoe wird eine forcirte Inspiration nothwendig, womit reizende Stoffe in die Bronchien und bis in die Lungen gelangen. Starke Schwellungen der Haut am Kopfe beschränken das Kaugeschäft, während das Hungergefühl fortbesteht. Die Patienten behalten dann die halb­gekauten Bissen und den Speichel längere Zeit in den oberen Abschnitten der Maulhöhle. Daselbst unterliegen die Substanzen der Zersetzung. Die flüssigen Stoffe gelangen in die Rachenhöhle und zum Theil durch Aspiration in die Lungen. Gleich häufig ist die als Complication des Morbus maculosus eintretende Dysphagie die Ursache, dass Futterpartikel oder Speichel und Getränk in die Bronchien gelangen. Es wurde oben schon erwähnt, dass die Lähmung der sensiblen Nerven des Larynx den Eintritt deletärer Stoffe in die unteren Respirationswege erleichtert. Schwere fieberhafte Blutdyskrasie mit hoher Pulsfrequenz und Inappetenz, venöse oder gelbliche Färbung der Schleimhäute, diarrhoische Entleerung übelriechender, durch blutige Beimischungen dunkel gefärbter Darmexcre-mente, Albuminurie und starker Kräfte verfall bezeichnen die mit der gangrä­nösen Broncho-Pneumonie entstehende ichorrhämische (sephthämische) In-toxication, die stets tödtlich wird. Zuweilen sind durch die locale Unter­suchung bronchiale und tracjieale Rasselgeräusche und soweit die jauchige Pneumonie sich auf die Pleura fortsetzt, Schmerzempfindungen in der Brust­wand und Athembeschwerden nachzuweisen. — Im Verlaufe der ichor-rhämischen Intoxication, welche die gangränöse Pneumonie herbeiführt, ver­mindert sich zuweilen die Gesammtmenge des Blutes im Körper erheblich. Hierdurch wird die schnelle Resorption des in den subcutanen Geschwülsten befindlichen blutigen und gallertartig-flüssigen Inhalts bedingt. Schon seit langer Zeit ist nach den Angaben von Percivall, Hering und Roll bekannt, dass, wenn die Schwellungen der Haut beim Morbus maculosus innerhalb eines Tages verschwinden, der Exitus letalis bevorsteht.

7) Schwere Magen-Darmentzündung. Eine Folge der Bildung grösserer blutiger Herde am Pylorus und im Duodenum, seltener im Dick­darm. Die Herde führen zur Berstung der Schleimhaut, zuweilen zur Nekrose und selbst zur förmlichen Perforation der Darmwand. Auch die multiple Bildung grösserer runder hämorrhagischer Herde im Dünndarm verknüpft sich mit Nekrose der Schleimhaut und diffuser Enteritis. — Die Symptome einer heftigen Kolik deuten auf die in Rede stehende Oomplication, die stets in 1—2 Tagen den Tod des Patienten herbeiführt.


Pathologische Anatomie.Nach der umfassenden Erörterung der Pathogenese und des Krankheitsverlaufs will ich auf die Sectionsbefunde bei den am Morbus macu­losus eingegangenen Pferden nur mit einem kurzen Resume zurückkommen. Es be­darf kaum noch der Bemerkung, dass bei der Mannigfaltigkeit der Vorkrankheiten und bei der grossen Zahl der Organe., welche der Etablirung blutiger Herde und phlegmonöser Schwellungen zugänglich sind, die Sectionsergebnisse sehr verschieden sein können. Zu den anatomischen Befunden der Vorkrankheiten gehören: Malleose Zerfallsherde in den Respirationsorganen; Drusenkatarrhe und Abscesse im Velum und in der Rachenschleimhaut; retropharyngeale Abscesse; abgekapselte broncho-pneumonische und metastatische Eiter- und Jaucheherde in den Lungen; Abscesse in der Milz (bei einem Pferde — Preuss. Mittheil., 1855., S. 72 — hatte der Milzabscess zu einem fistulösen Geschwür in der linken Unterrippengegend geführt); eiterige Herde in der Merenkapsel und in den Meren; metastatische Eiterherde in der Skelet-muskulatur; eiterig-jauchige Herde in der Subcutis und in den Gelenken.

In der Regel erfolgt der Tod unter den Zufällen der Suffocation. Dann ergiebt die Section neben den sonstigen Veränderungen auch die gewöhnlichen Wirkungen dieser Todesart (kleine Blutflecke in den serösen Häuten, in den Lungen, der Rachen­schleimhaut, der Magen-Darmschleimhaut und am Endocardium; Füllung der Herz­ventrikel mit dunklem Blut, Ausdehnung des rechten Herzventrikels, Transsudation kleiner Quantitäten von blutigem Serum in die serösen Säcke, Lungenödem).

Als anatomische Befunde, welche dem Morbus maculosus selbst angehören, sind zunächst hervorzuheben: Die endermatischen und subcutanen hämorrhagischen In-farcte, sowie die sulzig-serösen Infiltrate der Unterhaut. Auch an den Fascien und Sehnenscheiden finden sich oft kleine und grössere blutige Herde. Dazu kommen bei längerer Dauer der Krankheit die nekrotischen und ulcerösen Zustände der Haut an den blutigen Herden, sowie die durch decubitale Gangrän verursachten Zerstörungen der Haut und der Subcutis. — Die Schleimhaut beider Nasenhöhlen ist zuweilen in ihrer ganzen Ausdehnung blutig infiltrirt. Oft sind aber einzelne kleine oder grössere Partien von der hämorrhagischen Infiltration nicht betroffen. Die Blutungen haben die Form der Petechien oder grösserer Flächen mit unregelmässigen Contouren (Platten, Suffusionen). Zuweilen enthält die Schleimhaut an den Muscheln kleine oder grössere Continuitätstrennungen. In den Nebenhöhlen der Nase finden sich nur selten Blut­flecke. — Die Rachenschleimhaut ist venös geröthet oder cyanotisch, oft mit grösseren blutigen Herden durchsetzt. Neben dem Kehldeckel gewöhnlich phlegmonöse Schwel­lungen. Die Schleimhaut der Giesskannenknorpel und der Morgagni'schen Taschen durch seröses Infiltrat geschwollen. Wenn im Verlaufe der Krankheit eine multiple jauchige Pneumonie mit Abfluss der Krankheitsproducte durch den Respirationstractus entstanden war, so finden sich oft flächenförmige Mortificationen der Schleimhaut im Larynx und Pharynx. — Die Lungen können blutige Herde in sehr verschiedener Zahl und Grösse enthalten. Daneben kommen die Folgen der Lungenblutung (Aspiration von Blut in die Lobuli), sowie die Veränderungen vor, welche die fibrinöse Hepati­sation oder die multiple eiterig-jauchige Lungenentzündung kennzeichnen. Nur in seltenen Fällen ergiesst sich Blut aus den grossen Herden der Lungen in einen Brust-fellsack. — Am Herzen bestehen zuweilen grössere blutige Herde. War die Krank­heit mit septischer oder ichorrhöser Blutvergiftung complicirt, so finden sich im Herzfleisch zuweilen embolische Infarcte von Hühnerei- bis Gänseeigrösse. In ein­zelnen Fällen kommen hierbei auch ulceröse Processe am Endocardium zur Ent­stehung. — Die Bauchhöhle enthält bei der im Ganzen nur seltenen Verblutung aus einer Milzgeschwulst oder aus blutigen Herden im Peritoneum oder in der Nieren­kapsel 15—25 Liter dunkles, flüssiges Blut. Blutige Herde können in fast allen Organen der Bauchhöhle und in den Nieren vorkommen. Die Milz ist zuweilen normal, oft aber mit blutigen Infarcten durchsetzt und in einzelnen Fällen durch eine starke Infiltration von erheblich grösserem Umfange. Die Herde der Darmschleimhaut machen sich durch ihre bläuliche Färbung schon von aussen am peritonealen Ueberzuge kennt­lich. Das Blut in den Herden ist flüssig. Kleine Defecte der Darmschleimhaut zeigen zuweilen Granulationsbildung, selbst vollständige Verheilung. An den grösseren Herden findet sich oft ein Zerfall der Schleimhaut. Die runden Herde des Dünndarms haben in Folge der entzündlichen Infiltration eine gelbliche oder gelbröthliche Färbung und eine derbe Beschaffenheit. Oft ist die Darmschleimhaut in grosser Ausdehnung durch Imbibition mit Blutserum gelblich gefärbt. In anderen Fällen findet sich in einzelnen Abschnitten des Darmtractus flüssiges Blut, sowie eine starke entzündliche Schwellung und dunkle Röthung der Schleimhaut. — Die Leber wird, abgesehen von der Wirkung, welche die ichorrhöse Blutdyskrasie auf das Parenchym derselben herbei­führen kann, nur selten von der Blutfleckenkrankheit afficirt. Die Skeletmuskulatur