(Lenden-Darmbeinmuskeln, Becken- und Schenkelmuskeln, Bauch- und Brustmuskeln) enthält in der Regel kleine oder grössere, meist länglich geformte, schwarzrothe, unregelmässig contourirte und von der Nachbarschaft scharf abgegrenzte Herde von trockener Beschaffenheit. Das Muskelfleisch selbst ist getrübt und an einzelnen Partien von lehmgelber Färbung. — Die Cadaver der gestorbenen Pferde begünstigen in hohem Grade den Zerfall der Organe durch postmortale Fäulniss.
Diagnose.
Das Stadium initiale kann sich auf mehrere Tage ausdehnen. In dieser Zeit ist die Erkennung der Krankheit zuweilen schwierig. Verdächtige Symptome sind: Mangelhafter Nährzustand, allgemeine Körperschwäche in Folge fieberhafter Krankheiten, diffuse Schwellungen an den Gliedmassen oder am Bauche, leichte Steigerung der Bluttemperatur und geringe Neigung zur Futteraufnahme. Sind die wesentlichsten Symptome der Krankheit in der Haut und in den Kopfschleimhäuten vollständig ausgebildet, so ist die Diagnose leicht. Zuweilen wird die punktförmige Röthung, welche bei schweren fieberhaften Krankheiten durch Blutstauung in der Nasenschleimhaut entsteht, irrthüm-lich für die beginnende Petechienbildung gehalten (vergl. S. 22). Mit den subcutanen Blutflecken haben Quetschungen, Stauungsödeme, phlegmonöse Processe (Einschuss an den Hinterschenkeln) und abscedirende Entzündungen eine gewisse Aehnlichkeit. Gegenüber diesen diagnostischen Erwägungen ist das Auftreten von Petechien in den Kopfschleimhäuten von entscheidender Bedeutung. Auch die an den folgenden Tagen stattfindende Entstehung neuer Herde in der Haut sichert die Diagnose der Blutfleckenkrankheit. Am meisten kann im Stadium initiale die Unterscheidung der Blutflecke in der Haut von der Eruption der Urticaria die Sachverständigen in Verlegenheit bringen. So leicht die Diagnose beider Krankheiten sich oft gestaltet, wenn die Symptome vollständig hervortreten, so schwierig kann dieselbe sein, wenn im Verlaufe fieberhafter Katarrhe nur einige Nesselbeulen von relativ grossem Umfange in der Haut sich zeigen. Dass die Nesselbeulen in der Haut liegen und die Herde des Morbus maculosus zum Theil in der Unterhaut, kann den zweifelhaften Befund der ersten Untersuchung noch nicht aufklären. Denn auch die ersten Blutflecke beim Morbus maculosus haben zuweilen eine endermatische Lage und eine scharfe Abgrenzung, wie die Nesselbeulen. Nach Verlauf von 1—2 Tagen ergeben sich aber stets ausreichende Merkmale für die Unterscheidung. Zu beachten ist auch, dass, wenn die Blutfleckenkrankheit zur Genesung führt, mitunter in der Convalescenz eine Eruption der Urticaria erfolgt, die mehrere Tage anhalten kann.
Der latente liotz veranlasst zuweilen innerhalb eines Tages die diffuse Schwellung der Subcutis an den Schenkeln oder am Rumpfe. Derartige Krankheitsfälle sind auch von Fieber begleitet und deshalb bei der ersten Untersuchung nicht immer von der in der Entwickelung begriffenen Blutfieckerikrankheit mit Sicherheit zu unterscheiden. Treten Petechien in der Nasenschleimhaut auf, so ist die Diagnose leicht. Sonst bleibt nur übrig, den Krankheitsverlauf einen oder zwei Tage zu beobachten. Zu berücksichtigen ist dabei, dass sich der Rotz zuweilen mit der ßlutfleckenkrankheit complicirt.
Krankheitsfälle, welche im Initialstadium sich mit einer schweren Gastro - Enteritis verknüpfen und deshalb von den Symptomen einer heftigen Kolik begleitet werden, haben Aehnlichkeit mit den Erscheinungen des Milzbrandes. Unter den Symptomen fehlt aber die blutige Infiltration der Subcutis in der Ohrdrüsen- und Kehlkopfregion, welche beim originären Milzbrand in der Regel vorkommt. In zweifelhaften Fällen entscheidet die Section durch den Befund der blutigen Herde beim Morbus maculosus und die mikroskopische Untersuchung des Blutes oder die Impfung von Kaninchen oder Schafen mit dem Blute (vergl. S. 199).
Von wissenschaftlichem Interesse ist endlich noch die Unterscheidung des Morbus maculosus von der Haemophilie. Allerdings kann eine Verwechselung beider Krankheiten nur dann vorkommen, wenn die Blutfleckenkrankheit am 2. oder 3. Krankheitstage durch Verblutung tödtlich endet. Einen massgebenden Anhalt für die Feststellung des Morbus maculosus liefert nur der Befund multipler Blutgeschwülste.
Prognose. In der pathogenetischen Erläuterung habe ich dar-gethau: 1. dass die Beschaffenheit der protopathischen Eiter- und Jaucheherde sehr oft der Ermittelung nicht zugänglich ist; und 2. dass der Morbus maculosus keinen typischen Verlauf hat. Hieraus rechtfertigt sich die Forderung, jeden Krankheitsfall mit einer gewissen Reserve' zu beurtheilen. Im Allgemeinen ist die Prognose des Morbus maculosus ungünstig. Nach der Erfahrung verlaufen etwa 60 Procent der Krankheitsfälle letal. Bei umsichtiger und sachgemässer Behandlung sind zwar manche Patienten zu retten. Aber niemals kann von der Cur ein sicherer Erfolg von vornherein in Aussicht gestellt werden. Einen hohen Grad der Lebensgefahr hat die Krankheit, wenn eine starke und umfangreiche Schwellung der Haut am Kopfe oder in der Nase besteht. Ferner enden die von Koliksymptomen begleiteten Fälle sehr oft tödtlich. Ebenso ist bei den Pferden, welche sich nicht aufrecht erhalten können, der tödtliche Ausgang unabwendbar. Ungünstig ist auch eine Pulsfrequenz von mehr als 80 in der Minute. — Die Gefahren, welche die Oom-plicationen mit sich bringen, habe ich S. 423—426 bereits angedeutet. Tödtlich verläuft die häufig und oft ohne augenfällige Kennzeichen sich entwickelnde jauchige Broncho-Pneumonie. Auch die anhaltende Aeusserung von Schmerzempfindungen in der Muskulatur (Lenden- und Beckenmuskeln) kann als Zeichen eines lebensgefährlichen Charakters der Krankheit gelten. Am meisten ist von der Behandlung ein günstiger Erfolg zu hoffen, wenn die Bildung der Blutflecke sich vorzugsweise auf die Haut und Unterhaut beschränkt, weil diese Organe den therapeutischen Eingriffen direct zugänglich sind. Einigermassen gesichert ist die Genesung der Pferde aber erst, wenn seit dem offenkundigen Auftreten der Blutflecke 10—12 Tage vergangen sind und die Neigung zur Futteraufnahme sich in massigem Grade erhält.
Therapie.