Heilmittel, mit welchen nach Oonstatirung der Krankheit die weitere Ausbildung frischer Blutflecke inhibirt werden könnte, giebt es nach der gegenwärtigen Erfahrung nicht. Wenigstens lassen sich gegen die Wirksamkeit derselben manche Einwände erheben. Den meisten Nutzen schien in den zahlreichen, von mir behandelten Fällen Acidum hydrochloricum zu haben, von welchem jedem Eimer voll Trinkwasser 20,0—30,0 Gramm zur Selbstaufnahme zugesetzt werden. Auch Acidum sulfuricum, welches schon Werlhof gegen die analoge Krankheit des Menschen empfohlen hat, kann in gleicher Weise angewandt werden. Manche Pferde haben aber einen Widerwillen gegen angesäuertes Wasser. Bei denselben ist die Lösung mittels eines Irrigators langsam in die oberen Partien der Maulhöhle zu bringen. — Leicht ausführbar — und in den Fällen, in welchen protopathische Katarrhe im Respirationstractus nachweislich oder muthmasslich bestehen, auch vortheilhaft — sind Inhalationen von Oarboldämpfen, wozu eine 3,0 bis 5,0proc. Lösung von Acid. carb. pur. mittels eines Sprayapparates zerstäubt wird. Die Oarbolinhalation ist täglich 2—3 Mal zu wiederholen. — Nicht zweckmässig fand ich Dunstbäder von Terpentinöl in Wasser. Auch Acidum tannicum (5,0—10,0 pro die in Trinkwasser), Plumbum aceticum, Ferrum sesquichloratum, Ferrum sulfuricum und andere ad-stringirende Präparate hatten in allen von mir behandelten Fällen keinen Nutzen. — Acidum arsenicosum 1,0 pro die in Mehltrank habe ich öfter, aber stets erfolglos versucht. — In 15 Fällen benutzte ich Extr. Seealis cornuti (subcutan 1,0 in Aq. und Glycer.). Ich habe nicht erkennen können, dass der Krankheitsverlauf durch diese Medication günstig beeinflusst worden sei.
Hieraus ergiebt sich, dass nach der Indicatio morbi nur die allgemeine Behandlung mit Mineralsäuren und mit Oarbolsäure berechtigt erbracht werden.
Es empfiehlt sich, eine Operation frühzeitig vorzunehmen. Denn es giebt kein anderes Mittel, um der Erstickung oder der Complication des betreifenden Krankheitsfalles mit der Schluckpneumonie zuvorzukommen. Der Tracheotubus ist zweimal täglich zu reinigen. Nach 5—10 Tagen ist derselbe in der Regel schon überflüssig geworden. Die Operationswunde wird mit Burow'scher Lösung (Plumb. acet. 2,0 und Alum. 1,0 in Aq. 50) vorsichtig behandelt. Mit Recht hat Roll die Tracheotomie als ein oft erfolgreiches Heilmittel empfohlen. Die von anderen Seiten geäusserte Meinung, dass die Operationswunde zur Gangränescenz neige, fand ich nicht bestätigt. Wenn aber das Pferd bereits an ichorrhämischem Fieber leidet, so entsteht in der Wunde gewöhnlich eine gangränöse Phlegmone. Allein solche Pferde sind überhaupt nicht heilbar und mit der Tracheotomie kann deshalb bei denselben nur dem Erstickungstode vorgebeugt werden.
Sowohl die endermatischen und subcutanen Blutbeulen, wie die entzündlichen Schwellungen der Unterhaut verlangen eine energische Behandlung mit solchen Mitteln, welche die Haut verdichten und widerstandsfähiger machen, aber keine Entzündung in derselben erregen. Hierzu eignen sich: Plumb. acet. in Wasser (5:100); Aqua Plumbi Goulardi; Alum. crud. in Wasser (5—8 : 100) oder Plumb. acet. 2, Alum. 1 und Aqua com. 30 — 50; Acet. crud., Spirit. und Aqua com. zu gleichen Theilen; Spirit. camph.; Acid. sulf. in Wasser (1:25—30). Zweckmässig, aber etwas umständlich in der Zubereitung sind ferner Decocte von bitteren und adstringirenden pflanzlichen Arzneistoffen (Oort. Quercus; Oort. Hippocast.; Gort. Salicis). Weniger sind die oft empfohlenen Chlorpräparate (Mischungen von Calcaria chlorata mit Wasser oder Ohlorwasser) anzurathen. Auch Aqua carbolisata, die zu Injectionen in die subcutanen Blutgeschwülste und zu Waschungen vor15 Jahren in Aufnahme kam, fand ich weniger geeignet, als die Lösungen der essigsauren Metallsalze.
Umfangreiche Blutgeschwülste, die eine starke Spannung der Haut erzeugen, müssen zeitig durch lange Einschnitte gespalten werden. Die mehrfach gegen die Scarification der Geschwülste gemachten Einwendungen sind nicht begründet. Ich habe oft constatirt, dass wenn an einer passenden Stelle der Geschwulst ein langer Schnitt durch die Haut und Unterhaut gelegt wurde, die sonst unabwendbare Haut-nekrose nicht eintrat oder doch keinen erheblichen Grad erreichte. — Es ist aber thunliehst die Spaltung nicht unmittelbar oder am ersten Tage nach der Entstehung der Blutgeschwülste vorzunehmen, weil dann die Blutung aus der Schnittwunde leicht erheblich wird. Erscheint die Spaltung in derartigen Fällen geboten, so ist zur Blutstillung ein Flachstampon in die Schnittwunde zu legen und mit einigen Heftfäden zu befestigen. Derselbe wird am folgenden Tage wieder entfernt. An den Gliedmassen ist die innere oder äussere Seite für die Application der Einschnitte zu wählen. Scarificationen an der Beugefläche der Gelenke sind thunliehst zu vermeiden, weil sonst leicht lästige Wunden entstehen. — Nach der Spaltung verkleinern sich die Geschwülste durch den Ab-fluss von Blut und Serum in der Regel so weit, dass die Spannung der Haut aufhört. Die Schwellung an den Lippen und an den Naseneingängen resp. am falschen Nasenloch, durch welche oft ausschliesslich die Dyspnoe unterhalten wird, vermindert sich nach der Spaltung zuweilen innerhalb eines Tages so weit, dass die Athmung wieder ohne Beschwerden erfolgt. — Auch nach der Spaltung ist eine energische Behandlung der Geschwülste unerlässlich. Ich verwende hierzu mit Vorliebe die mehrbezeichnete Burow'sche Lösung von Plumb. acet. und Alum. in Wasser. Wirksam erweist sich ein Zusatz von Camphor zu dieser Mischung, namentlich wenn bereits eine Nekrose in der Haut und Unterhaut eingetreten ist.
Für die Behandlung der decubitalen Gangrän sind die vorbenannten Arzneipräparate ebenfalls indicirt. Mit grossem Vortheil lässt sich an manchen Partien der Haut Plumbum tannicum pultiforme 3 bis 4 Mal täglich auftragen. Der allgemeinen Anwendung desselben steht indess der relativ hohe Preis entgegen.
In vielen Fällen bringt die anhaltende Berieselung der defecten Partien in der Haut und Unterhaut mit warmem Wasser oder mit Aqua carbolisata mehr Erfolg, als alle anderen zulässigen Medicamente.
Die Destructionen, welche durch die Blutflecke in der Haut, namentlieh an den Gliedmassen entstehen, sind in gleicher Weise desinficirend zu behandeln. Bei üppiger Granulation ist durch die Application von austrocknenden (Tinct. Aloes, Tinct. Myrrhae) oder ätzenden Mitteln (Acidura sulfocarbolicura, Acid. nitricum furaans) die Vernarbung möglichst zu beschleunigen.
Die diätetische Behandlung erfordert eine grosse, massig temperirte. und gut ventilirte Räumlichkeit, in welcher die Patienten frei umhergehen können. So lange Futter aufgenommen wird, ist eine kräftige Ernährung angezeigt. In jedem Falle muss den Pferden das (mit einem Zusatz von Salzsäure oder Schwefelsäure präparirte) Getränk in Zwischenzeiten von V, — 1 Stunde zur beliebigen Aufnahme gereicht werden. — Bei starker und schmerzhafter Schwellung des Kopfes, welche das Kauen behindert und selbst unmöglich macht, empfiehlt sich die vollständige Entziehung des Rauffutters, um zu verhüten, dass die halbzerkauten Bissen hinter den Backzähnen oder unter dem Velum liegen bleiben. Dagegen kann den Patienten von Zeit zu Zeit reiner Hafer vorgestreut werden. Im Uebrigen erheischen starke Schwellungen am Kopfe täglich 4— 5 Mal wiederholte Irrigationen der Maulhöhle mit Wasser oder mit einer Lösung von Salzsäure oder mit Oarbolwasser. — Wenn sich am 5.10. oder 12. Krankheitstage eine wesentliche Erleichterung in den Symptomen kenntlich macht, so Jässt sich die Genesung zuweilen dadurch beschleunigen, dass -die Patienten täglich 2— 3 Mal während V2 Stunde im Freien umhergeführt werden.
Besondere Desinfectionsmassregeln, die Roll für erforderlich hält, sind bei der Blutfleckenkrankheit zu entbehren. Die Reinigung der Standorte, welche den kranken Pferden zum Aufenthalt gedient haben, gebietet sich aus allgemeinen hygienischen Gründen als selbstverständlich.