März 31. R. 14—16. P. 100. T. 38,9.

April 1. Das Befinden des Patienten verschlechtert sich mehr und mehr, die Kräfte verfallen, das Pferd ist unfähig zu stehen und geht am Abend unter den Er­scheinungen der Erstickung zu Grunde.

Section im pathologischen Institut. Die Subcutis in grosser Ausdehnung am Bauch, an den Gliedmassen, an der Brust und am Kopf ödematös infiltrirt und stellenweise blutig roth, stellenweise gelb sulzig. Skeletmuskulatur grauroth, trübe und trocken. Am stärksten verändert sind die Rumpfmuskeln und die Muskeln, in den oberen Partien der beiden Hintergliedmassen. Viele Muskeln enthalten dunk.elroth gefärbte und unregelmässig gestaltete Herde, welche sich zum Theil etwas über die Nachbarschaft erheben.' Dünn- und Dickdarm zusammengezogen. Ausserlich treten blaurothe Flecke an dem peritonealen Ueberzuge knotig hervor. Die grössere Zahl dieser Flecke befindet sich im Dickdarm. Der Leerdarm enthält eine gelb gefärbte Flüssigkeit. An den Flecken, die äusserlich blau erscheinen, liegen in der Submucosa hämorrhagische Herde. Das Cöcum und Colon enthalten dünnbreiige Fäcalstoffe. Die Schleimhaut ist etwas ge­schwollen und graugrün gefärbt, sie enthält mehrere graugelb gefärbte thalergrosse Flecke, an welchen die Submucosa hämorrhagisch infiltrirt ist. Die Schleimhaut im Pylorus und im Zwölffingerdarm ist entzündlich geröthet, in Falten gelegt und mit Blutflecken besetzt. Hinter dem Pylorus ist eine markstückgrosse Partie der Schleimi-, haut ulcerirt, Ränder uneben, Grund mit leichter Granulation bedeckt. An der vor­deren Krümmung des Zwölffingerdarms findet sich eine handlange Stelle hämorrha­gisch infiltrirt. Der Labdrüsentheil des Magens ist entzündlich geschwollen. Milz-parenchym leicht vergrössert. An den Nieren sind die Kapseln leicht abzu­ziehen. Das Gewebe ist fast breiig und gelblichroth gefärbt. Starke Trübung auf dem Durchschnitt an der Mark- und Rindensubstanz. In der Harnblase befinden sich 500 Ccm. massig trüben, flockigen, röthlich gefärbten Harns. Lieber vergrössert, fettig infiltrirt. Im Gekröse finden sich einzelne hämorrha­gische Herde. Beide Pleurasäcke enthalten 6 Liter braunrothe trübe Flüssigkeit, in welcher gallertig geronnenes Fibrin suspendirt ist. Zu beiden Seiten ist die Pleura in der vorderen und unteren Partie mit fibrinösem Exsudat bedeckt. Die linke Lunge ist im unteren Abschnitt mit dem Mediasti­num fest verwachsen. Auf dem Durchschnitt finden sich viele Höhlen mit glatten Wänden. Dieselben communiciren mit einander. Die Wandungen bestehen aus einer schiefrig gefärbten fibrösen Masse. Die Höhlen enthalten j auchigen Eiter und nekrotische Gewebsstücke. Ein übler Geruch ist an dem Inhalt nicht zu bemerken. Einzelne Höh­len communiciren mit den Bronchien. In den letzteren befindet sich eine grünlich gefärbte, jauchige Flüssigkeit. Die Schleimhäute des Kehlkopfes und des Schlundkopfes sind entzündlich geschwollen. Der Herzbeutel enthält eine geringe Menge röthlicher Flüssigkeit. Herzfleisch lehmfarben, trocken. Das Endocardium trägt zahlreiche blutige Herde, namentlich im linken Ventrikel, an den Papillär -muskeln. Die Schleimhaut beider Nasenhöhlen ist durch Petechien und grössere blutige Unterlaufungen stark geschwollen. 3) Abscessbildung in der Subcutis an derSchulter als protopathische Affeotion. Schwere Erkrankung. Complication mit ichorrhöser Bron-eho-Pneumonie. Starke Dysphagie in Folge ichorrhöser Entzündung der Brustschild- und Brustzungenbeinmuskeln. Tod durch Er­schöpfung.

Ein neunjähriger Wallach (Wagenpferd) wurde am 31. October 1884 der Klinik mit dem Vorbericht zugeführt, dass derselbe seit 8 Tagen niedergefallen und seit dieser Zeit mit einer Anschwellung an der linken Schulter behaftet sei. Störungen in dem Gesammtbefinden machten sich nicht bemerkbar. P. 40. R. 11. T. 38,1. An der linken Schulter, in der Mitte des vorderen Grätenmuskels liegt eine handtellergrosse Entzündungsgeschwulst, an welcher Fluctua-tion constatirt werden kann. Nach der Spaltung der Geschwulst ent­leert sich gelber, dickflüssiger Eiter. An den Rändern des grösseren Abscesses liegen mehrere kleine Eiterhöhlen. Ordination: Waschungen mit Plumb. acet. 4,0, Alum. 1,0 und Aq. comm. 100,0, 5 Mal täglich; demnächst Bepinselung der Granulation mit Tinct. Aloes.

In den nächsten Tagen änderte sich das Befinden des Patienten nicht und in der Wunde schien eine langsame Verheilung zu erfolgen. — Am 5. November wurde eine diffuse ödematöse und schmerzhafte Schwellung beider Hintergliedmassen vom Fessel bis über das Sprunggelenk constatirt. Kopfschleimhäute leicht geröthet. Ap­petit gut. P. 60. R. 28. Die Bewegungen verursachten dem Pferde starke Schmerzen in den Hintergliedmassen. Am Nachmittage des 5. November findet sich eine Zu­nahme der Schwellung, welche bis zum Kniegelenk reicht. T. 38,9.

Nov. 6. R. 12. P. 43. T. 39,1. Futteraufnahme gut. Ausser der Schwellung an den Hintergliedmassen hat sich eine diffuse schmerzhafte Infiltration im Bereiche beider Vorarme ausgebildet. Am medialen Rande des rechten und linken Nasen­loches punktförmige bis hirsekorngrosse Petechien. — Erst nach diesem Befunde er­schien die Diagnose des Morbus maculosus zweifellos.

Nov. 7. R. 10. P. 48. T. 38,6. Die Schwellung der Vorarme hat sich auf den unteren Theil der Brust bis über den Schaufelknorpel ausgebreitet. Massig starke blutige Schwellung der Unterlippe. Die Petechien der Nasenschleimhaut haben sich vergrössert und vermehrt. Conjunctiva hellgelb, frei von Petechien.

Nov. 8. R. 12. P. 64. T. 39,3. Futteraufnahme normal. Am unteren Theil des Kopfes ist die Subcutis massig stark und ödematös geschwollen. Schniebendes Nasalgeräusch bei der Inspiration und in etwas geringerem Grade auch bei der Ex­spiration. Abfluss von gelblich grauer eiweissreicher Masse aus beiden Nasenlöchern. Ordination: Zu beiden Seiten der Nase ein 10 Ctm. langer Schnitt durch die Haut und die Subcutis. Durchschneidung der Haut auf der Geschwulst am Brustbein. Zweistündlich wiederholte Waschungen mit Plumb. acet. und Alum. in Wasser.

Nov. 9. R. 12. P. 64. T. 39,3. Die Schwellungen sind etwas geringer ge­worden. Athmung nicht erschwert. Futteraufnahme massig.

Nov. 10. R. 12. P. 68. T. 39,5.