Nov. 11. R. 9. P. 68. T. 38,4. Futteraufnahme gering. Starke Schwellung des Kopfes in der unteren Hälfte. Dyspnoe mit nasalen und laryngealen Geräuschen. Schluckbeschwerde und Entleerung von Futterpartikelchen mit Blut und Blutserum aus der Nase. — Tracheotomie, worauf das Athmen ohne Beschwerde erfolgt.
Nov. 12. R. 12. P. 80. T. 38,9. Die Anschwellung des Kopfes hat sich etwas verringert, dagegen hat die Dysphagie zugenommen, so dass das zerkaute Futter zum grössten Theil aus der Nase zuriickfliesst.
Nov. 13. R. 11. P. 74. T. 38,8. Futteraufnahme verringert. Keine Abnahme der Dysphagie. Exspirationsluft übelriechend. Beim Herausnehmen des Tra-cheotubus wirft das Pferd, wenn es hustet, Schleim und Futterpartikel aus der Tra-chealwunde nach aussen.
Nov. 14. R. 14. P. 70. T. 38,8. Sichtbarer Verfall der Kräfte. Venöse Röthung der Conjunctiva. Gesträubte Stellung des Deckhaares. Futteraufnahme verweigert.
Nov. 15. R. 20. P. 80. T. 38,9. Das Pferd hat sich niedergelegt und ist unvermögend zum Aufstehen. Athmen röchelnd. Der Tod erfolgt 4 Stunden später unter den Zufällen der Suffocation.
Section am 16. Nov. im pathologischen Institut (Lüpke). — Aus dem Befunde hebe ich Folgendes hervor: Das Cadaver zeigt Todtenstarre. Jauchiger Aus-fluss aus der Nase von stinkendem Geruch. Diffuse Schwellung der Subcutis am Gesichtstheile des Kopfes, an beiden Seiten des Halses, unter der Brust, dem Bauch und am Schlauch, sowie an allen 4 Gliedmassen. An den geschwollenen Körper-theilen ist die Unterhaut mit gelber trüber Flüssigkeit infiltrirt. Ausserdem finden sich, theils vereinzelt, theils gruppenförmig angeordnet, zahlreiche Blutungen. Die Subcutis am Kopf zeigt stellenweise Gangränescenz. Die Magenschleimhaut ist mit glasigem, trübem Schleim bedeckt. Leber und Milz ohne wesentliche Veränderungen. Beide Nieren etwas vergrössert. Sowohl in der Bauchhöhle wie in den Pleurasäcken und im Herzbeutel keine Flüssigkeit. Das Blut im Herzen und in den grossen Ge-fässen ist dunkelroth und von schmieriger Consistenz. In der linken Herzkammer bestehen unter dem Endocard, besonders an den Papillarmuskeln, zahlreiche kleine und grössere blutige Herde. Die Lungen enthalten im vorderen Theile viel extrava-sirte Luft in den Interstitien und unter der Pleura. Rechte Lunge blutreich (Hypostase). An der Pleura pulmonalis viele kleine blutige Herde. Der zungenförmige Lappen und ein grosser Theil am unteren Rande der rechten Lunge sind verdichtet und auf dem Durchschnitt finden sich in grosser Zahl broncho-pneumonische Jaucheherde. Die Bronchialschleimhaut geschwollen und sehr trüb. Tracheaischleimhaut entzündlich geröthet, geschwollen und von einer eiterigen, jauchigen Materie bedeckt. Das lockere Bindegewebe um die Luftröhre ist mit jauchiger Flüssigkeit durchtränkt. Dieselbe Zerstörung findet sich an einzelnen Stellen im Brustschildmuskel, Brustzungenbein-und Brustkinnbackenmuskel. Die Schleimhaut der Epiglottis und der Mor-gagni'schen Taschen ist mit einer schmutzigen, graurothen Masse bedeckt, leicht geschwollen und mit unzähligen Stecknadelkopf- bis erbsengrossen Petechien besetzt. Vom vorderen Rande der Epiglottis bis zum Zungengrunde ist die Schleimhaut zerstört. Die Ränder und der Grund dieser Partien enthalten stellenweise üppige Granulationen, zwischen welchen schmutzige nekrotische Massen liegen.
4) Chronische Entzündung und Abscessbildung in der linken Niere und in der Nierenkapsel als Vorkrankheit. Langsame Entwickelung des Morbus maculosus. Schmerzhafte Affection der Lenden- und Beckenmuskeln. Tödtlicher Ausgang. Rappstute, 6 Jahre alt, grosses Wagenpferd veredelter Abkunft, wurde am 16. September 1885 in die Klinik eingeliefert. Das Pferd litt seit einigen Tagen ander Brustseuche. Specialdiagnose: Pneumonia dextra in massigem Umfange. Nach regelmässigem und leichtem Krankheitsverlaufe bildeten sich die wesentlichsten Symptome vom 22. September an wieder zurück. Die Convalescenz verzögerte sich indess und am 26. Sept. trat an sämmtlichen Gliedmassen eine Schwellung der Haut vom Hufe bis zu den Fusswürzeln ein. Appetit mangelhaft. Am 1. October fanden sich Petechien in beiden Nasenhöhlen. Conjunctiva stark geröthet. Die Schwellung der Gliedmassen hatte zugenommen und reichte bis über die Fusswürzeln hinauf. Ord.: Innerlich Acid. hydrochlor. mit dem Trinkwasser. Aeusserlich Waschungen mit Plumb. acet. 2 und Alum. 1 in Aqua 50. In den folgenden Tagen änderte sich das Bild nicht erheblich. Aber am 5. October stellte sich eine relativ starke Schwellung vor und unter der Brust ein, die nach beiden Seiten bis an die Sporader und nach hinten bis in die Nabelgogend reichte. Puls frequent und klein, die sichtbaren Schleimhäute anämisch. Petechienbildung in der Nase gering, Excremente diarrhoisch. Am 7. October fand sich die Oberlippe an der linken Seite armdick geschwollen. Die Schwellang verbreitete sich bis zum folgenden Tage auf die Unterlippe und die Backe hinauf. Auch die rechte Kopfhälfte zeigte mehrere herdweise Schwellungen der Subcutis, die beim Druck schmerzhaft waren. Die Geschwülste wurden durch Längsschnitte geöffnet und entleerten in massiger Menge flüssiges Blut. Die Subcutis erschien gelblich infiltrirt. Am 11. October fanden sich die Merkmale einer Infiltration der Kehlkopfschleimhaut (dyspnoisches Athmen mit inspiratorischem Kehlkopfgeräusch) weshalb die Tracheotomie vorgenommen wurde. Das Pferd starb am 13. October.
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